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IFK fordert Direct Access |
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| Sachverständigenrat
und Politik um Unterstützung gebeten
Nach Auswertung der umfangreichen Recherchen in Australien, in die weitere internationale Erfahrungsberichte und Erkenntnisse einbezogen wurden, hat der IFK-Vorstand nachfolgendes Positionspapier zum Thema Direct Access (direkter Zugang für Patienten zum Physiotherapeuten) erstellt. Die Positionen wird der Bundesverband nun zur Grundlage der Gespräche u. a. mit der Politik und dem Sachverständigenrat im Gesundheitswesen machen.
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| A. | Aus ethischen, fachlichen und ökonomischen Gründen sollte auch Deutschland der weltweiten Entwicklung folgen und den Direct Access für selbstständige Physiotherapeuten ermöglichen. | |||
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Ethische Begründung Der Physiotherapeut ist der Spezialist zur Behandlung von Beeinträchtigungen, insbesondere am Bewegungsapparat. |
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In der Bevölkerung ist dies bekannt und Physiotherapeuten genießen einen guten Ruf. Patienten wissen häufig aus Erfahrung, dass Physiotherapie bei bestimmten Beschwerden am schnellsten und effektiv helfen kann. Aufgrund des Heilpraktikergesetzes - Ausübung der Heilkunde - ist es in Deutschland zurzeit nicht erlaubt, dass Patienten im Rahmen der Kuration direkt den Physiotherapeuten aufsuchen und von ihm behandelt werden. Die Behandlung bedarf einer ärztlichen Verordnung. Internationale Forschungsergebnisse zeigen, dass der schnelle Zugang zum Therapeuten zu besseren Behandlungsergebnissen führt. Aus ethischer Sicht darf es daher einem Patienten nicht verwehrt werden zu wählen, ob er zunächst einen Arzt oder direkt den Physiotherapeuten aufsuchen möchte. Per Gesetz sollte dem Patienten mithin der direkte Zugang zu einer adäquaten Therapie ermöglicht werden. |
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| 2) | Fachliche Begründung | |||
| a) | Ein sog. "First-Contact Practitioner" - ein Therapeut, der ohne ärztliche Verordnung tätig wird - muss insbesondere folgende Kompetenzen aufweisen: | |||
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| b) | Wird der Direct Access ermöglicht, erhalten Patienten schneller eine adäquate Therapie. Die frühe Intervention des Therapeuten führt zu einer schnelleren Verbesserung des Krankheitsbildes und am Ende zu besseren Behandlungsergebnissen. | |||
| c) | Studien haben ergeben, dass Patienten, die aus eigener Wahl direkt den Physiotherapeuten aufsuchten, mehr Eigenverantwortung übernahmen. Eine bessere Compliance von Patienten führt zu besseren und nachhaltigen Behandlungsergebnissen. | |||
| 3) | Ökonomische Begründung | |||
| Durch die Einführung des Direct Access können Kosten eingespart werden. Die Ermöglichung des direkten Zugangs hat in anderen Ländern nicht zu den vermuteten Steigerungen physiotherapeutischer Maßnahmen geführt. Im Gegenteil konnte nachgewiesen werden, dass durch den First-Contact Practitioner Kosten eingespart werden können. Sowohl Arztbesuche als auch ärztlich veranlasste Leistungen wurden durch den Direct Access reduziert. | ||||
| B. | Die Einführung des Direct Access sollte zeitnah erfolgen. | |||
| Begründung | ||||
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Die fachlichen Voraussetzungen zur Einführung des Direct Access sind schon heute gegeben. Physiotherapeuten haben aufgrund ihrer Ausbildung ein fundiertes Wissen zur Anwendung geeigneter Verfahren der Physiotherapie in Prävention, kurativer Medizin und Rehabilitation. Der Berufsstand hat sich in den letzten Jahren ständig weiterentwickelt. Im Gegenzug haben die Ärzte den Physiotherapeuten im Rahmen ihrer Verordnungen zunehmend mehr Autonomie in Bezug auf Untersuchungen und Therapieentscheidungen übertragen. Dies beweisen übliche Verordnungen mit Diagnosen, wie z. B. "LWS-Syndrom", bei denen der Physiotherapeut vor seiner Therapieplanung zunächst eine Differenzierung der Diagnose vornehmen muss. Die gewonnene Autonomie könnte nun durch gesetzgeberische Maßnahmen gestützt werden. |
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| C. | Der First-Contact Practitioner stellt eine sinnvolle neue Form der Betätigung nicht-ärztlicher Leistungserbringer dar. | |||
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Im letzten Jahr hatte der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen nach Vorschlägen zu neuen Aufgabenverteilungen und Kooperationsformen zwischen den Gesundheitsberufen gefragt. In seiner Stellungnahme hat der IFK darauf hingewiesen, dass das Heilpraktikergesetz zu modifzieren und neue Zugangsformen des Patienten zum Physiotherapeuten z. B. im Rahmen des "Direct Access" zu erwägen sind. Unter anderem das vom IFK durchgeführte und von der Robert-Bosch-Stiftung geförderte Forschungsprojekt in Australien stützt nun diese These. Die dort in über 30 Jahren gewonnenen Erfahrungen zeigen, dass die Einführung des First-Contact Practitioners von Patienten, Ärzten, Politik und Physiotherapeuten positiv bewertet wird. Der Direct Access sichert auch dort die Versorgung der Bevölkerung mit Heilmitteln, wo die Arztpräsenz in der Fläche reduziert ist. |
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| D. | Zur Patientensicherheit sollten Physiotherapeuten mit 3-jähriger Berufsausbildung, die als First-Contact Practitioner arbeiten möchten, ihre Kompetenzen vorab nachweisen. | |||
| Patientensicherheit hat in Deutschland einen großen Stellenwert. In einer Prüfung bei den Berufsverbänden sollten Physiotherapeuten daher belegen, dass sie insbesondere die sog. "Red flags" erkennen. Das heißt, dass sie Gefahren bei der Befunderhebung erkennen, bei denen eine zusätzliche Diagnostik durch den Arzt erforderlich ist und eingeleitet werden muss. Module zur Nachschulung und Auffrischung der Kenntnisse müssen von den Berufsverbänden nach internationalen Standards angeboten werden. | ||||
| E. | Die Akademisierung des Berufsbildes Physiotherapeut muss parallel zur Einführung des Direct Access konsequent weiter ausgebaut werden. | |||
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In der Fachhochschulausbildung zum Bachelor werden Therapeuten zum "reflektierenden Praktiker" ausgebildet. Das heißt sie erfüllen in besonderem Maße die für den First-Contact Practitioner erforderlichen Kompetenzen. Zur Förderung der Akademisierung sollte Bachelor-Absolventen der Direct Access daher ohne zusätzliche Schulung und Prüfung ermöglicht werden. Schritt für Schritt müssen die Ausbildungsplätze an den Fachhochschulen weiter ausgebaut werden. |
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| F. | Der IFK fordert mehr Freiraum für seine qualifizierten Physiotherapeuten in sicheren Rahmenbedingungen. Dementsprechend ist das Heilpraktikergesetz zu modifzieren. | |||
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Das Heilpraktikergesetz von 1939 entspricht nicht mehr den Anforderungen der heutigen Zeit an ein modernes Gesundheitssystem. Während es ursprünglich "Kurpfuscherei" verhindern sollte, behindert es heute den Berufsstand bei der Entwicklung von mehr Autonomie sowie die Patienten im Zugang zu effizienter Therapie. Das Heilpraktikergesetz muss folglich geändert werden, sodass Physiotherapeuten rechtssicher Patienten ohne ärztliche Verordnung behandeln können. In einem ersten Schritt würde somit der Direct Access für Privatpatienten und Selbstzahler ermöglicht. Die Möglichkeit, das System des Direct Access auch in der gesetzlichen Krankenversicherung einzuführen, ist dann in Modellvorhaben unter Beteiligung der Berufsverbände und Fachhochschulen zu prüfen. Damit wäre zugleich verhindert, dass Deutschland von der internationalen Weiterentwicklung der Branche abgekoppelt wird. |
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