Manuelle Therapie
Spezielle Handgriffe wurden bereits in Indien vor 5.000 Jahren angewandt, um Schmerzen zu kurieren. Heute setzen Physiotherapeuten die Manuelle Therapie ein, um Funktionsstörungen der Gelenke, Muskeln und Nerven zu behandeln.
Spezielle Handgriffe wurden bereits in Indien vor 5.000 Jahren angewandt, um Schmerzen zu kurieren. Heute setzen Physiotherapeuten die Manuelle Therapie ein, um Funktionsstörungen der Gelenke, Muskeln und Nerven zu behandeln. Bestimmte Griffabfolgen oder mobilisierende Techniken können z. B. Blockierungen lösen, verkürzte Muskeln dehnen und körpereigene Selbstheilungskräfte anregen. Die Wirkung der Manuellen Therapie wird durch viele wissenschaftliche Studien belegt. Sogar das National Institute for Health and Clinical Excellence – eine britische Gesundheitsbehörde – empfiehlt in seiner aktuellen Leitlinie die Manuelle Therapie als wirksame und kosteneffektive Behandlung: Patienten, die länger als sechs Wochen unter unspezifischen Rückenschmerzen leiden, sollen neben Medikamenten auch Manuelle Therapie und Bewegungstherapie erhalten. Viele Ärzte verordnen jedoch immer noch zu oft Bettruhe oder Spritzen.
Die Manuelle Therapie wird gegen Funktionsstörungen des Bewegungssystems eingesetzt: bei Rückenschmerzen, Arthrose oder Tennisellenbogen ebenso wie bei Bewegungseinschränkungen nach einer Verletzung mit langer Ruhigstellung. Ziel ist es, das Zusammenspiel zwischen Gelenken, Nerven und Muskeln wieder herzustellen. Bevor der Physiotherapeut die individuelle Behandlung festlegt, überprüft er beim Patienten Gelenkmechanik, Muskelfunktion und Koordination der Bewegungen. In der Behandlung können dann sowohl passive Techniken als auch aktive Übungen zum Einsatz kommen. Bei Rückenschmerzen beinhaltet Manuelle Therapie meist die passive Mobilisation der Wirbelsäule und Extremitätengelenke. Der Therapeut mobilisiert z. B. blockierte Gelenke durch sanfte Techniken oder stabilisiert überbewegliche, instabile Gelenke durch individuelle Übungen. Dadurch wird die Beweglichkeit verbessert und der Schmerz reduziert.
Bei Schmerzen gehen Betroffene automatisch in eine Schonhaltung, anstatt sich angepasst zu bewegen und damit Schmerzen zu reduzieren. Wer sich nicht bewegt, setzt aber einen Teufelskreis in Gang. Mangelnde Bewegung fördert Fehlhaltungen, schwächt die Muskulatur und mindert die Funktion des Bewegungsapparats, was erneut zu Schmerzen führen kann. Neben der Manuellen Therapie hilft Bewegung daher z. B. Schmerzblockaden zu lösen. Laut Empfehlung des National Institute for Health and Clinical Excellence wird die Bewegungstherapie individuell auf den Patienten abgestimmt und enthält Übungen, die die Muskulatur kräftigen bzw. dehnen. Dynamisches Bewegungsverhalten steht auch in der Neuen Rückenschule im Vordergrund. Entsprechende Übungen können Betroffene z. B. in Rückenschul-Kursen unter Aufsicht eines Physiotherapeuten erlernen und dann selbstständig in Beruf und Freizeit umsetzen. Die Kurse zielen darauf ab, die Einstellung zu Schmerzen zu verändern und zu regelmäßiger körperlicher Aktivität im Alltag zu motivieren.