Hilfe bei Hüftdysplasie
Bis zu vier Prozent aller Babys kommen mit einer Hüftdysplasie zur Welt, der häufigsten Fehlbildung bei Neugeborenen. Wird die Reifungsstörung frühzeitig erkannt, ist eine vollständige Ausheilung möglich.
Bis zu vier Prozent aller Babys kommen mit einer Hüftdysplasie zur Welt, der häufigsten Fehlbildung bei Neugeborenen. Hierbei ist die Hüftgelenkspfanne noch unzureichend ausgebildet, so dass der Gelenkkopf des Oberschenkels keinen Halt darin findet. Wird die Reifungsstörung durch Ultraschalluntersuchung frühzeitig erkannt, ist eine vollständige Ausheilung möglich. Hierfür müssen betroffene Kinder meist für drei bis sechs Monate eine Spreizhose tragen. Sie bringt die Hüftgelenke in eine Beuge- und Abspreizstellung, zentriert den Hüftkopf in der Gelenkpfanne und ermöglicht so eine korrekte Entwicklung der Hüfte. Doch viel zu oft bleibt dies die einzige Maßnahme. Kinder mit Spreizhose benötigen zusätzlich therapeutische Übungen, damit sich die Rumpfmuskulatur richtig entwickelt.
Bei der Geburt ist die Entwicklung der Hüfte noch nicht abgeschlossen, sie reift im ersten Lebensvierteljahr aber schnell nach. Wird die natürliche Nachreifung durch eine Hüftfehlbildung gehemmt, wird oft eine Spreizhose notwendig. Je früher diese angelegt wird, desto höher ist die vollständige Heilungschance. Die Hose wird Tag und Nacht über der Kleidung getragen und nur zum Wickeln oder Baden abgenommen. Sie soll das Kind möglichst nicht in seiner motorischen Entwicklung stören und freies Strampeln ermöglichen. Die kindliche Bewegung wird durch die Spreizhose jedoch bereits eingeschränkt, da kein Rollen auf die Seite möglich ist.
Begleitende Physiotherapie ist in allen Phasen der Hüftdysplasie-Behandlung eine wichtige Maßnahme. Beim Baby müssen gezielt die Muskeln angeregt werden, die das Hüftgelenk stabilisieren. Mit spielerischen Übungen kann die Zentrierung des Gelenks in verschiedenen Positionen gefördert werden. Die Aktivierung der Beine erfolgt beim Physiotherapeuten z.B. über die sogenannte Schoßbehandlung: Dabei begleiten Sprüche wie „die Maus hat rote Strümpfe an, damit sie besser radeln kann“ das Strampeln der Beine und regen es an. Um die Wahrnehmung der Füße zu fördern, können Abzählreime oder Spielzeug zum Einsatz kommen. Zudem gibt der Physiotherapeut auch wichtige Tipps, wie ein betroffenes Kind getragen werden sollte: Tragetücher sind ideal für eine optimale Entwicklung der Hüftgelenke, da sie für die richtige Beugestellung der Beine sorgen. Auch beim Tragen ohne Tragetuch ist darauf zu achten, dass die Beine vermehrt in Abspreizhaltung gebracht werden, z.B. mit dem „Fliegergriff“.
Nach bis zu sechs Monaten sollte eine Ultraschalluntersuchung bestätigen, dass die normale Hüftform hergestellt ist. Wird die Fehlbildung nicht rechtzeitig behandelt, kann eine Hüftverrenkung (Hüftluxation) auftreten: Die Kleinen können das betroffene Bein nicht mehr zur Seite abspreizen, es kommt zum Hinken oder Watschelgang, als Spätfolge können Arthrosen auftreten. Eine eventuelle Hüftdysplasie können Eltern daran erkennen, dass die Beine des Babys unterschiedlich lang sind, sie sich nicht gleichmäßig weit abspreizen lassen oder sich die Gesäßfalten auf unterschiedlicher Höhe befinden.