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Neue Schlaganfall-Studie

Drucken E-Mail Patienten profitieren auch Jahre später von Physiotherapie


Bochum, 22. Juli 2010. Über 200.000 Menschen erleiden in Deutschland jährlich einen Schlaganfall.  Ausgelöst wird der sogenannte Apoplex meist durch einen plötzlichen Gefäßverschluss oder eine Blutung im Gehirn. Als Folge bleiben häufig halbseitige Lähmungen, die mit Physiotherapie behandelt werden. Nach einem halben Jahr beenden die Ärzte häufig die Therapie. Ihr Argument: Längere Maßnahmen halten sie für eher aussichtslos. Eine aktuelle Studie der Brown University in Providence (USA) belegt nun aber, dass sich motorische Defizite bei Schlaganfall-Patienten noch Jahre später verbessern. „Durch intensives Bewegungstraining können neue Nervenverbindungen die geschädigten Zellen im Gehirn ersetzen, selbst lange Zeit nach dem Schlaganfall“, erläutert Ute Repschläger, Vorsitzende im Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten – IFK e. V. Ein zweites erstaunliches Ergebnis der Studie: Konventionelles Training mit einem Physiotherapeuten schnitt besser ab als am hochmodernen Trainingsroboter.

Wie bei allen Bewegungsstörungen, die vom Gehirn ausgehen, wird nach einem Schlaganfall möglichst schnell Physiotherapie verordnet. Die Behandlungskonzepte beruhen auf der Flexibilität des Gehirns, dass gesunde Hirnregionen durch ständige Impulse lernen können, Aufgaben der zerstörten Nervenzellen zu übernehmen. Bisher galten diese Rehabilitationen vor allem in den ersten sechs Monaten als aussichtsreich. Bei den Patienten der US-Studie lag der Schlaganfall durchschnittlich aber bereits rund fünf Jahre zurück, bei einem Betroffenen sogar 24 Jahre. Alle hatten noch mittlere bis schwere Funktionseinschränkungen in den Armen. „Nach nur zwölf Wochen wurde eine deutliche Besserung der Beweglichkeit, Sensibilität und Koordination des Arms festgestellt“, fasst Ute Repschläger die Studienergebnisse zusammen.


Ebenfalls erstaunlich: Das Roboter-gestützte Training, das ein Teil der Patienten absolvierte, blieb hinter den Erwartungen der Forscher zurück. Der Roboter unterstützte dreimal wöchentlich eine Stunde lang pro Training über 1.000 Bewegungen von Ober- und Unterarm. Trotzdem schnitt er bei der Ergebniskontrolle nach zwölf Wochen bei sensomotorischen Fähigkeiten schlechter ab als die gleiche Intensivtherapie mit einem Physiotherapeuten. Auch bei Alltagsfähigkeiten und Lebensqualität zeigte das moderne Robotertraining keine erwarteten Vorteile. Die Patienten zeigten gleiche Fortschritte der Armfunktion. „Wichtig sind Dauer und Intensität der Übungen, so dass der Lerneffekt langfristig Wirkung haben kann“, meint Ute Repschläger.

Trotz positiver Ergebnisse der Spät-Rehabilitation gilt: Je früher Physiotherapie nach einem Schlaganfall einsetzt, desto größer sind die Chancen, dass sich Lähmungserscheinungen bessern und zurückbilden. Vor allem Bobath- oder PNF-Therapie sind zu empfehlen. Die speziell zertifizierten Therapeuten, die diese Behandlungen anbieten, finden Patienten mit der regionalen Therapeutensuche unter www.ifk.de .

 

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