Wenn die Schulter "einfriert"

Schleichend entstehen in der Schulter immer stärkere Schmerzen, das Schultergelenk steift langsam ein, Bewegungen sind immer stärker eingeschränkt.

Betroffen sind vor allem Frauen zwischen 40 und 60 Jahren: Schleichend entstehen in der Schulter immer stärkere Schmerzen, das Schultergelenk steift langsam ein, Bewegungen sind immer stärker eingeschränkt. Das Krankheitsbild Schultersteife – auch „frozen shoulder“ genannt – tritt meist spontan auf und würde teilweise auch von selbst wieder heilen. Der Verlauf ist jedoch schmerzhaft und langwierig. Unbehandelt dauert die Ausheilung oft mehrere Jahre und kann dauerhafte Bewegungsdefizite hinterlassen. Den Schwerpunkt der Behandlung bildet Physiotherapie. Eine aktuelle Studie der Universität von Virginia/USA belegt, dass die therapeutische Mobilisation des Schultergelenks zu einer erheblich besseren Beweglichkeit führt. Entscheidend ist das frühzeitige Einsetzen der Therapie, um zunehmende Einschränkungen in der Bewegung zu verhindern.

Die Erkrankung Schultersteife verläuft in drei Phasen: Zu Beginn treten ohne Anlass oft nächtliche Ruheschmerzen in der Schulter auf, die immer stärker werden. Ursache sind bisher ungeklärte Entzündungen der Gelenkflüssigkeit und im weiteren Verlauf auch der Schulterkapsel. Sie verklebt, schrumpft und der Gelenkinnenraum verkleinert sich. In dieser Einsteifungsphase lässt der Schmerz zwar etwas nach, dafür nehmen aber die Bewegungseinschränkungen zu. Tätigkeiten auf Schulterhöhe, wie z. B. Jacke anziehen, oder sportliche Aktivitäten sind kaum noch möglich. Besonders die Außenrotation – die Drehung des Arms nach außen – vermindert sich immer mehr. Bis sich die Beweglichkeit in der sogenannten Auftauphase wieder merklich bessert und die Schmerzen verschwinden, können bis zu 36 Monate vergehen.

Die Behandlung richtet sich danach, wie stark die Lebensqualität des Betroffenen bereits eingeschränkt ist. Muss eine eingesteifte Schulter mobil gemacht werden, wird meist Manuelle Therapie eingesetzt. Die durch Schonhaltung verkürzten Muskeln werden sanft gedehnt (Querfriktion). Auch die Schulterkapsel kann der Physiotherapeut mit Zug (Traktion) dehnen. Wichtig sind zudem kontrolliert durchgeführte, aktive Alltagsbewegungen, die über Kopf geschehen und die Beweglichkeit erhalten, wie z. B. Haare kämmen oder Wäsche aufhängen. Ergänzend können physikalische Maßnahmen wie Kältebehandlung oder Elektrotherapie schmerzlindernd wirken.

Gilt es in der Behandlung, die Beweglichkeit zu erhalten und Einschränkungen vorzubeugen, erhält der Betroffene ein häusliches Übungsprogramm, um die Physiotherapie zu unterstützen. Bleibt die Schulter trotz aller therapeutischen Maßnahmen steif, kann eine Operation helfen. Doch auch bei der Nachbehandlung ist eine intensive Physiotherapie in den ersten Tagen und Wochen nach dem Eingriff entscheidend für den Heilungserfolg.