Dem Schmerz auf den Zahn fühlen

Ganz im Sinne der Forderung der Gesundheitsministerkonferenz nach einer interdisziplinären und interprofessionellen Schmerztherapie beleuchtete das Symposium „Schmerz lass nach“ beim 12. IFK-Wissenschaftstag das Thema Schmerz sowohl aus ärztlicher als auch aus physiotherapeutischer Perspektive. Fünf Hochschulabsolventen freuten sich zudem über den Gewinn eines der begehrten IFK-Wissenschaftspreise für hervorragende Abschlussarbeiten in der Physiotherapie.

Der IFK-Wissenschaftstag wurde bereits zum dritten Mal von einem Symposium in Kooperation mit dem Bochumer Universitätsklinikum Bergmannsheil begleitet, auf dem renommierte Ärzte und Physiotherapeuten zu aktuellen Ansätzen in der Schmerztherapie referierten. Zur Eröffnung der Veranstaltung ließ es sich IFK-Vorstandssvorsitzende Ute Repschläger nicht nehmen, auch auf die aktuellen berufspolitischen Entwicklungen hinzuweisen. Im Zuge des derzeitigen Gesetzgebungsverfahrens für ein neues Heil- und Hilfsmittelversorgungsstärkungsgesetz (HHVG) warnte sie abermals davor, dass Physiotherapeuten in eine Falle tappten, sollten sie von ihrer Forderung nach einem Direktzugang abweichen.

Den Einstieg in das Symposium machte der Neurologe Dr. Philipp Stude, der den knapp 160 Teilnehmern erklärte, wie man bei Kopfschmerzen anhand eines Kopfschütteltests erste Hinweise erlangen kann, ob es sich um eine Migräne handelt.  Der Physiotherapeut Torsten Kristant setzte Maßstäbe mit seiner Aussage: „Jeder Therapeut sollte das professionelle Selbstverständnis haben, von physiotherapeutischer Diagnostik zu sprechen.“ Auch die anschließenden Kurzpräsentationen der IFK-Wissenschaftspreisträger griffen teilweise zum Symposium passende Themen auf, wie Schmerz und Mundöffnung oder zervikogener Kopfschmerz.

Im zweiten Vortragsblock des Symposiums referierten Prof. Dr. Christoph Maier, leitender Arzt der Abteilung Schmerzmedizin am Bochumer Universitätsklinikum Bergmannsheil, und der Physiotherapeut Jörn Altenscheid über Diagnostik und Therapie beim chronischen Rückenschmerz. „Ich würde mir wünschen, dass die Physiotherapie auch im Bereich der Forschung auf Augenhöhe agiert“, stützte Prof. Dr. Maier in seinem Vortrag die Bestrebungen des IFK hin zu einer stärkeren Akademisierung. Hinsichtlich der physiotherapeutischen Diagnostik bei Rückenschmerzen appellierte Jörn Altenscheid an seine anwesenden Kollegen: „Wir müssen Rückenschmerzpatienten wieder in die Aktivität bringen.“

Dagmar Seeger, Sprecherin des Arbeitskreises Schmerz und Bewegung der Deutschen Schmerzgesellschaft, zeigte in ihrem Vortrag die Problematik auf, dass 5-20 Prozent der Schmerzpatienten trotz einer Physiotherapie nach dem Heilmittelkatalog keine spürbare Besserung erfahren. Grund dafür ist, dass die vorgegebenen monomodalen Therapien nicht spezifisch genug auf das Krankheitsbild ausgerichtet sind. Sie plädierte stattdessen für eine spezielle Schmerztherapie mit multimodalem Ansatz, die physiotherapeutische Behandlungsmethoden um verhaltenstherapeutische Aspekte ergänzt.
Die diesjährigen Preisträger des IFK-Wissenschaftspreises in der Bachelor-Kategorie „Klinische Forschung“ sind:

  • 1. Preis – Jana Pätzholz und Marc Kwidzinski: „Der Einfluss von Kauen auf die kraniozervikale Region bei Temporomandibulären Dysfunktionen und einer Kontrollgruppe – Eine Querschnittstudie“, HS Osnabrück
  • 2. Preis – Carina Ziller: „Variabilität der Frailty-Prävalenz gemäß Fried Phänotyp in Abhängigkeit der Erhebungsmethode körperlicher Aktivität“, HSG Bochum

Die diesjährigen Preisträger in der Bachelor-Kategorie „Literatur- und Übersichtsarbeiten/Konzeptentwicklung“ sind:

  • 1. Preis – Alisa Wienke: „Physiotherapeutische Intervention in Ergänzung zu einer Okklusionsschienen-Therapie im Vergleich zu einer Monotherapie mit einer Okklusionsschiene bei Craniomandibulärer Dysfunktion: Ein Review zu den Effekten auf Schmerz und Mundöffnung“, HSG Bochum
  • 2. Preis – Jana Schultert: „Manuelle Therapie bei zervikogenem Kopfschmerz – Eine systematische Literaturübersicht über den Einfluss auf den Medikamentengebrauch“, HAWK Hildesheim

Der IFK-Wissenschaftspreis ist mit insgesamt 5.000 Euro dotiert. Die Jury setzte sich wie folgt zusammen: Rick de Vries (Vorsitzender der Jury, stellv. IFK-Vorstandsvorsitzender), Monika Hümmelink, M.Sc. (Mitglied des IFK-Fachausschusses Fortbildung und Wissenschaft), Prof. Dr. Christian Grüneberg (Hochschule für Gesundheit, Bochum), Prof. Dr. Jan Mehrholz (FH für Gesundheit, Gera), Prof. Dr. Axel Schäfer (HAWK Hildesheim), Prof. Dr. Christoff Zalpour (FH Osnabrück) sowie Prof. Dr. Katharina Scheel (FH Kiel).

Zusätzlich wurde ein Posterpreis vergeben. Die Posterpreisträgerin wurde durch das Votum der Gäste des IFK-Wissenschaftstags während der Veranstaltung ermittelt:
Merle Richter: „Physiotherapeutische Untersuchung von Patienten mit Beckengürtelschmerz“, HSG Bochum
Die Posterpreis-Gewinnerin erhielt einen Buchgutschein des Thieme-Verlags.

Der IFK bedankt sich ganz herzlich bei allen Teilnehmern, Referenten und Besuchern des Wissenschaftstags.