G-BA-Innovationsfondsprojekt moVe-it: Evidenzbasierte Botulinumtoxin-Behandlung bei einer Spastik nach Schlaganfall und Verbesserung der interdisziplinären Zusammenarbeit

In Deutschland erleiden jährlich ca. 1,6 Prozent der Erwachsenen einen Schlaganfall. Zwischen 20 und 40 Prozent der Betroffenen entwickeln in dieser Folge ein spastisches Syndrom. Bis 2050 wird sogar von einer Verdopplung dieser Zahl ausgegangen. Kassendaten und zahlreiche Untersuchungen belegen eine massive Fehlversorgung dieser Symptomatik. Ein Grund liegt sicher darin, dass sich Spastiken häufig erst Wochen oder sogar Monate nach dem Schlaganfall entwickeln; ein anderer an ungenügenden Versorgungsstrukturen.
Das federführend von der Mobil Krankenkasse konzipierte und vom Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geförderte Projekt moVe-it will diesen Umstand ändern und einen neuen Ansatz zur Versorgung von Patienten mit Spastik nach einem Schlaganfall erproben. Dabei setzt moVe-it auf interprofessionelle, digitale Fallkonferenzen, die webbasiert stattfinden und von einem moVe-it-medical-Manager (mmM) koordiniert werden. Ziel ist es, die Therapie individuell auf die Patienten auszurichten – etwa durch die aufeinander abgestimmte Anwendung von Physiotherapie und Botulinumtoxin-A-Behandlungen (auch bekannt unter dem Namen „Botox“). Eben diese Kombination ist eigentlich bereits seit 2018 Bestandteil einer Leitlinienempfehlung für Schlaganfallpatienten mit Spastik, wird in der Praxis jedoch kaum umgesetzt. So haben in Deutschland im Jahr 2021 nur circa vier Prozent der Patienten mit Spastik diese Behandlung erhalten. Das Projekt moVe-it will diese Versorgungslücke mittels eines vernetzenden digitalen Versorgungsmanagements schließen. Ergänzend dazu begleitet die moVe-it-App die Betroffenen kontinuierlich im Alltag.
Der IFK ist als Projektpartner beteiligt und verantwortlich für die Rekrutierung der teilnehmenden Physiotherapiepraxen. In einer randomisierten Studie prüfen die Projektbeteiligten, ob diese neue Versorgungsform zu einer Verbesserung des Gesundheitszustands der Betroffenen beitragen kann. Dazu werden Schlaganfallpatientinnen und -patienten mit Spastik in eine Interventions- und eine Kontrollgruppe eingeteilt. Zusätzlich erfolgten eine Prozessevaluation und gesundheitsökonomische Analyse. MoVe-it dient als Modellprojekt für die interprofessionelle Versorgung von Schlaganfallpatienten, die auf eine ambulante, interdisziplinäre Betreuung angewiesen sind.
01.10.2025 bis 30.09.2026
Mobil Krankenkasse (Frau Dr. Sarah Rudolph), Bayerische TelemedAllianz GmbH (Prof. Dr. med. Siegfried Jedamzik), Schön Klinik Bad Aibling Harthausen (Prof. Dr. Klaus Jahn), Therapiezentrum Burgau (Prof. Dr. med. Andreas Bender), Universitätsklinikum Regensburg (Prof. Dr. med. Felix Schlachetzki), Charité - Universitätsmedizin Berlin (PD Dr. med. Alexander Heinrich Nave), inav - privates Institut für angewandte Versorgungsforschung GmbH (Univ.-Prof. Dr. Volker Amelung), BKK Landesverband Bayern (Jennifer Ettl), BKK mkk - meine krankenkasse (Lars Straubing, Medical Park Berlin Humboldtmühle GmbH & Co. KG (Prof. Dr. med. Dr. phil. Martin Ebinger), Berufsverband Deutscher Neurologen e. V. (Bernhard Michatz). Daneben unterstützen zahlreiche weitere Kooperationspartner wie Ärzteverbände, Stiftungen, Kliniken und weitere gesetzliche Krankenkassen das Projekt.
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