Großes Interesse an berufspolitischen Entwicklungen beim IFK-Forum Nord in Hamburg

Informationen aus erster Hand, persönliche Gespräche und Antworten auf offene Fragen: Die jährlich stattfindenden Regionalforen des IFK stoßen immer auf großes Interesse. Das diesjährige Forum Nord war da keine Ausnahme: Viele Interessierte kamen nach Hamburg, um sich von den IFK-Vertretern über die aktuellen berufspolitischen Themen und die Verbandsarbeit informieren zu lassen. 

Im bewährten „Update Physiotherapie“ gaben IFK-Vorstandsvorsitzende Ute Repschläger und IFK-Geschäftsführer Dr. Björn Pfadenhauer einen Rückblick und Ausblick auf aktuelle Branchenthemen. Das derzeit die Medien beherrschende Thema GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz wurde dabei natürlich intensiv besprochen. Vor allem die geplanten Maßnahmen, die auch die Heilmittelerbringer betreffen, interessierten die Teilnehmer. Mit der möglichen Einführung einer Grundlohnsummenbindung hätten die Vergütungsverhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband in den nächsten Jahren keinen angemessenen Spielraum. Der geplante Abschlag von einem Prozent für die Jahre 2027 bis 2029 spitzt die Situation noch weiter zu. In der Physiotherapie würde dies die positive und politisch gewünschte Entwicklung der letzten Jahre, die die langjährige Unterfinanzierung im Heilmittelbereich ausgleichen sollte, konterkarieren. Die Streichung der Mehraufwandspauschale in der Blankoverordnung bewerten die IFK-Vertreter als katastrophal. 

Sparmaßnahmen finden sich im Gesetzesentwurf für alle Beteiligten: „Das Gesetz läuft unter dem Motto ‚Alle müssen ihren Beitrag leisten‘“, erklärte Repschläger. „Aber das kann die Maßnahmen nicht beschönigen.“ Der IFK ist daher in Gesprächen mit politischen Entscheidungsträgern, um die Folgen der geplanten Maßnahmen auf den Heilmittelbereich und die Versorgung der Patienten aufzuzeigen. 

Wird das enge Korsett noch enger? 

Bereits im Dezember urteilte das Bundessozialgericht im Revisionsverfahren um die Klage gegen die Schiedssprüche in der Physiotherapie gegen die Forderungen der Physiotherapieverbände. Im Ergebnis sind damit die preisbildenden Parameter für die Vergütungsverhandlungen zementiert und es wurde verhindert, dass angemessene Preise, die den Physiotherapeuten eine Gleichstellung zur Situation im öffentlichen Dienst (TVöD) geboten hätten, erreicht werden können.  

Im vergangenen Jahr konnte bei den Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband noch ein zufriedenstellendes Ergebnis von 2,49 erreicht werden. Wie sich die aktuellen Entwicklungen – GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz und die endgültige Festsetzung der preisbildenden Parameter – auf die Verhandlungen in diesem Jahr auswirkt, ist bislang ungewiss. „Wir können aktuell nicht sagen, wo die Reise hingeht“, räumte Pfadenhauer ein. „Wir müssen abwarten, was politisch in diesem Jahr noch passiert.“ Gleichwohl wird der IFK versuchen, in den Verhandlungen das beste Ergebnis für die Branche zu erreichen. 

Telematikinfrastruktur: Jetzt heißt es handeln

Das zweite große Thema des Abends in Hamburg waren die Entwicklungen im Bereich Telematikinfrastruktur (TI). Neben einem Überblick, was die TI ist, welche Ziele sie verfolgt und welche Anwendungen Physiotherapeuten aktuell schon nutzen können, erläuterte Pfadenhauer den Handlungsbedarf in den Heilmittelpraxen. Bis Oktober 2027 müssen alle Heilmittelerbringer an die TI angeschlossen sein. Da der Anschluss Zeit in Anspruch nimmt und einige Punkte in Ruhe durchdacht werden sollten, sind Praxisinhaber gut damit beraten, sich nun intensiv mit dem Thema TI zu beschäftigen. „Wenn Sie auf die TI zugreifen wollen, müssen Sie einmal Zeit investieren. Aber es lohnt sich!“, erklärte Pfadenhauer.  

Die Schlüsselanwendung der TI für die Heilmittelerbringer ist die elektronische Verordnung, deren Einführung aktuell für Mitte 2029 geplant ist. „Wenn dieser Prozess für Sie als Therapeuten Erleichterung bringt, dann ist die TI erfolgreich“, so Pfadenhauer. Auch die sektorenübergreifende Vernetzung wird durch die TI erleichtert, erklärte der IFK-Geschäftsführer. „Die verschiedenen Gesundheitsberufe näher zusammenzubringen, ist digital einfacher als analog.“ 

Wie die Anwendungen der TI bereits heute aussehen, zeigte Monique Jeske (Noventi HealthCare GmbH) am Beispiel der Software Ora. Mit Screenshots aus der Noventi-Software zeigte sie den Teilnehmern, wie das sonst so abstrakte Thema TI in der täglichen Arbeit aussehen kann. Pfadenhauers Fazit und gleichzeitig Tipp für alle Teilnehmer: „Lassen Sie sich doch einfach mal auf die TI ein!“

In einer vorangehenden Kurzfortbildung referierte beim Forum Nord zudem Prof. Dr. med. Hauke Mommsen zum Thema „Gesundheit durch Muskelaktivität – Physiotherapie der Zukunft“. Im Vortrag zeigte er auf, warum die Muskulatur als Superorgan eine zentrale Rolle für Stoffwechsel, Schmerzregulation, Immunfunktion und psychisches Wohlbefinden spielt und machte an Fallbeispielen deutlich, wie Muskelaktivität bei Verletzungen, chronischen Beschwerden und Lebensstilerkrankungen wirkt und neue berufliche Perspektiven in Prävention und Gesundheitsförderung eröffnet.

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