csm_IFK-Foto_Tennisellenbogen_de8ef607fe.jpg

Tennisellenbogen: Spritzen schaden

Studien plädieren für Physiotherapie als Mittel der Wahl

Wenn der Unterarm schmerzt und nicht mehr voll einsatzfähig ist, verspricht eine Kortison-Spritze beim Arzt eine schnelle Linderung der Beschwerden. Für eine langfristige Heilung des sogenannten Tennisellenbogens sind Injektionen hingegen nutzlos und können sogar schaden, wie Studien belegen. Die Wissenschaft empfiehlt stattdessen Physiotherapie als effektive und kosteneffiziente Therapie der ersten Wahl.

Die Epicondylitis laterale humeri, auch „Tennisellenbogen“ oder „Tennisarm“ genannt, ist eine Entzündung am Sehnenansatz im Bereich des Ellenbogengelenks außen. Sehnen sind bindegewebige Strukturen, die Muskeln mit dem Knochen verbinden. Die Entzündung wird im Wesentlichen durch eine zu hohe Belastung der Muskeln – und damit verbunden der Sehnen – bei der Durchführung einseitiger Bewegungen verursacht. Dies löst Schmerzen, Steifheit und auch Schwellungen aus. Die Betroffenen sind vorwiegend Menschen mittleren Alters. Sechs von 1.000 Personen entwickeln pro Jahr einen Tennisellenbogen, Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Die Leidtragenden klagen über Schmerzen bei der Drehung des Unterarms, bei der Streckung des Handgelenks und der Finger. Damit verbunden sind Einschränkungen im Alltag, wie beim Heben und Tragen von Gegenständen oder auch beim Handschlag. Ein Tennisellenbogen kann nach sechs bis zwölf Monaten nachlassen. Doch häufig leiden die Betroffenen unter den Beschwerden bis zu zwei Jahre und länger.

Bessere Heilung ohne Kortison-Spritzen

Oftmalig werden im Wesentlichen bei längerfristigen Beschwerden und chronischen Verläufen Kortison-Injektionen als Behandlungsmaßnahme eingesetzt. Doch das ist kritisch zu sehen. Internationale Forscher haben festgestellt, dass diese Spritzen langfristig nutzlos sind und sogar schaden können. Sowohl mittel- als auch langfristig wiesen diejenigen Patienten, die Kortison-Injektionen erhielten, im Vergleich zu Patienten, die nur eine Scheinbehandlung bekamen, seltener eine deutliche Verbesserung auf. Im Ergebnis schnitten also die verabreichten Kortison-Spritzen im Vergleich zu Schein-Injektionen wesentlich schlechter ab.

Physiotherapie ist wirksam und kosteneffektiv

Der zugrundeliegende Krankheitsmechanismus eines Tennisellenbogens kann komplex sein. Häufig sind Begleiterscheinungen wie Nackenschmerzen oder eine Beteiligung des Nervensystems zu beobachten. Der Physiotherapeut kennt diese Mechanismen und untersucht die beteiligten Strukturen gezielt, um angepasst an den Patienten die besten Therapiemaßahmen auszuwählen. „Die physiotherapeutische Diagnostik ist in diesem Zusammenhang die Grundlage einer erfolgreichen Therapie“, bringt es Ute Repschläger, Vorsitzende des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten – IFK e. V., auf den Punkt.
Eine kürzlich erschienene Studie aus Australien belegt, dass Physiotherapie in Form von Manuellen Techniken am Ellenbogen in Kombination mit Übungen eine effektive und kosteneffiziente Methode bei einem Tennisellenbogen ist. Die Wissenschaftler empfehlen daher, Physiotherapie als Therapie der ersten Wahl einzusetzen. „Das ist ein erfreuliches Ergebnis und eine gute Nachricht für die Betroffenen“, resümiert Ute Repschläger.

Besonders wirksam ist die Physiotherapie bei schon länger andauernden, eher chronischen Zuständen des Tennisellenbogens. Mehrdimensionale Behandlungsansätze, bestehend aus manuellen Techniken, sowie isometrische, konzentrische und exzentrische Übungen sind am erfolgversprechendsten. Forscher aus Neuseeland kommen zu dem Schluss, dass besonders exzentrische Übungen der Unterarmmuskulatur eine effektive Behandlungsform darstellen: Eine Verbesserung der Funktion, der Schmerzen und der Griffstärke sind die Resultate der Physiotherapie.

Weitere Artikel

Das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz – so setzen wir uns politisch für Sie ein

2026 | 21.05. Der am 29. April 2026 vom Bundeskabinett beschlossene Entwurf des Stabilisierungsgesetzes schlägt hohe Wellen und wird aktuell vollkommen zu Recht von allen Leistungserbringern kritisiert und abzuwenden versucht. Auch der IFK setzt sich seit Wochen beim Ministerium dafür ein, dass das Parlament von seiner Korrekturmöglichkeit Gebrauch macht. Und tatsächlich zahlt sich unsere Beharrlichkeit aus.

IFK-Tag der Wissenschaft am 3. Juli: Jetzt anmelden!

2026 | 21.05. Der IFK-Tag der Wissenschaft ist jedes Jahr der Termin für den akademischen Nachwuchs der Physiotherapie. In diesem Jahr findet er am 3. Juli an der hochschule 21 in Buxtehude statt. Ein besonderes Highlight der Veranstaltung ist die Verleihung des IFK-Wissenschaftspreises. Ausgezeichnet werden Abschlussarbeiten in verschiedenen Kategorien sowie herausragende Posterbeiträge.

GeDIG-Entwurf: Chancen der Digitalisierung nicht erschöpfend genutzt

2026 | 20.05. Am Montag lud das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zur Anhörung zum sogenannten Referentenentwurf „Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen“ (GeDIG) nach Berlin ein. Da der Gesetzesentwurf auch die Physiotherapie betreffende Änderungen enthält, reichte der IFK im Vorfeld eine schriftliche Stellungnahme ein und nahm an dem Anhörungstermin teil, um die Interessen seiner Mitglieder zu vertreten.