csm_IFK-Forum_S%C3%BCd_2019__1__3757e9e77a.jpg

IFK-Forum Süd: warum die Veränderungen nun möglich wurden

„Inzwischen kann man ja fast von einer ‚Heilmittelgesundheitspolitik‘ sprechen“, stellte Michael Reinhard vom ifo-Institut mit einem Augenzwinkern dar, dass sich in den letzten Monaten in der Gesundheitspolitik viel getan hat. Beim IFK-Forum Süd in Feldkirchen bei München erklärte er aus seiner persönlichen Außensicht, warum nun viele Änderungen möglich wurden, an die vorher lange kaum zu denken war.

Im Jahr 2017 haben die Verhandlungen im Zusammenhang mit dem Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) erste Lohnerhöhungen ermöglicht. Das nun in Kraft getretene Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) habe zum Beispiel die Bundeshöchstpreis und ein vereinfachtes Zulassungsverfahren auf den Weg gebracht. All dies seien Forderungen, die seit Jahren von den Verbänden gestellt wurden. „Warum ist dies nun plötzlich möglich geworden?“, fragte er – und lieferte die Antwort in seinem Vortrag gleich mit. Im Wesentlichen seien zwei Faktoren dafür verantwortlich.

Einer sei, dass sich die Arbeit der Verbände deutlich gebündelt habe. Im Heilmittelbereich habe es sehr viele Ansprechpartner gegeben – „und das mögen Politiker gar nicht“, stellte der Ökonom fest, „erst recht nicht, wenn sich diese untereinander noch nicht mal einig sind“. Deshalb sei es sehr begrüßenswert, dass die Heilmittelerbringer inzwischen immer häufiger als Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) mit einer Stimme sprechen. Damit ließen sich die Interessen der Heilmittelerbringer besser vertreten. Das Ohr der Politik stehe seitdem weiter offen.
Einer der vielen wichtigen Aspekt im Meinungsbildungsprozess sei der 1. TherapieGipfel des SHV im September 2018 gewesen. „Denn im ersten Referentenentwurf des TSVG war die Heilmittelversorgung ursprünglich gar nicht vorgesehen“, erinnerte Reinhard. Neben direkten Gesprächen mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sei es beim TherapieGipfel gelungen, wichtige Vertreter des ganzen Kabinetts einzubeziehen und damit die Aufmerksamkeit der Fraktionen zu wecken – für Reinhard ein bedeutender Schritt hin zum finalen TSVG.

Der zweite wichtige Faktor, der die jetzigen Veränderungen ermöglichte, sei die Situation in der gesetzlichen Krankenversicherung gewesen. „Die Gelegenheit war günstig“, brachte es der Referent auf den Punkt. Durch die gute Konjunktur und die Einführung der individuellen Zusatzbeiträge sei die Finanzlage der Kassen entspannter gewesen als in den vergangenen Jahren.
Abschließend gab der Ökonom einen Ausblick auf die Themen, die die Physiotherapie seiner Meinung nach in den kommenden zehn Jahren besonders beschäftigen werden. Die demographische Entwicklung werde für ein Plus an Patienten sorgen. „Physiotherapie und Alter korrelieren miteinander. Darauf können Sie bauen“, so Reinhard. Allerdings müsse dringend etwas dafür getan werden, dass sich wieder mehr junge Menschen für diesen Beruf entscheiden. Die Interessenvertretung im politischen Raum bleibe daher unverzichtbar. Daher riet er den knapp 50 Teilnehmern: „Engagieren Sie sich und halten Sie Ihrem Verband die Treue.“
Weitere Bilder vom IFK-Forum Süd 2019 gibt es in der Fotostrecke.
Einen Artikel über den Vortrag von Ute Repschläger und Dr. Björn Pfadenhauer gibt es hier.

Weitere Artikel

Tipps für den erfolgreichen TI-Anschluss

2026 | 28.09. In unserer heutigen Meldung aus der Reihe „TI: Schluss mit dem Aufschieben“ geben wir Ihnen einige Tipps an die Hand, die Ihnen den Anbindungsprozess erleichtern und dabei helfen, den Überblick zu bewahren. Zudem starten wir mit den ersten Schritten, die Sie auf dem Weg zum TI-Anschluss gehen sollten.

CPTE: Die neue Klassifikation chronischer Schmerzen in der ICD-11 – Eine Einführung

2026 | 25.09. Fortbildungspunkte sammeln leicht gemacht – dafür steht das CPTE-Programm, durch das IFK-Mitglieder ihr Wissen auf den neusten Stand bringen können. Drei Fortbildungspunkte erhalten IFK-Mitglieder beispielsweise für den CPTE-Artikel „Die neue Klassifikation chronischer Schmerzen in der ICD-11 – Eine Einführung“, für den die Lernerfolgskontrolle noch bis April 2027 abgelegt werden kann.

Bürokratieentlastung im Heilmittelbereich

2026 | 22.09. Eine neue Ausgabe unseres Interviewformats "Perspektiven Physiotherapie: Wichtige Fragen – klare Antworten" ist online. Dieses Mal sprechen wir mit Ute Repschläger über die Bürokratieentlastung im Heilmittelbereich.