Direct Access in der Diskussion

Der Direktzugang zum Physiotherapeuten ohne Verordnung des Arztes (Direct Access) zählt zu den Kernforderungen des IFK. Der Verband hat beispielhaft schon mehrfach gezeigt, dass alle vom Direktzugang zum Physiotherapeuten profitieren und dies zu einer höheren Behandlungsqualität führt. Auch die internationale Praxis spricht dafür.
Doch wie verhalten sich die einzelnen Player im Gesundheitswesen in Deutschland beim Thema Direct Access? Bachelor Physiotherapie-Studenten der Hochschule für Gesundheit (hsg) haben dies beim IFK in einem Planspiel ausprobiert.
Bei der so genannten Konsensus Konferenz schlüpften die Studenten, die kurz vor dem Bachelor-Abschluss stehen, in die Rollen von verhandelnden Physiotherapeuten, Ärzten, Krankenkassen-Vertretern, Forschern, Patienten und Politikern. Auf der nachgeahmten Konferenz wurde dann heiß über den Direktzugang diskutiert.



IFK-Geschaftsführer Dr. Frank Dudda
Letztlich fußen viele der jüngsten Entwicklungen auf das Gutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen von 2007. Darin hieß es unter anderem, dass der bestehende institutionelle Rahmen auf seine heutige Sinnhaftigkeit überprüft wird. Das Gutachten startete also eine Diskussion über eine neue Aufgabenverteilung im Gesundheitswesen. 2008 erfolgte die entsprechende  Gesetzgebungskompetenz. Der IFK brachte im Anschluss das erste Modellvorhaben in der Physiotherapie für mehr Autonomie auf den Weg. Dieses Modellvorhaben zeigt bis heute wissenschaftlich gesichert, dass Physiotherapeuten mit mehr Autonomie besser therapieren können. Der nächste logische Schritt für den IFK ist der Direct Access.
Auf der Konferenz brachten die Studenten in den Rollen der einzelnen Akteure die Argumente auf den Tisch. So argumentierten z.B. die Vertreter der Ärzte, dass Physiotherapeuten aufgrund der deutlich geringeren Ausbildungsdauer und des fehlenden Wissens über internistischen Erkrankungen nicht den Erstkontakt mit dem Patienten haben sollten. Ferner fehle die gesetzliche Grundlage. Vertreter der Krankenkassen pochten auf die medizinische Notwendigkeit der Behandlung und hatten Bedenken, hinsichtlich einer potenziellen Kostensteigerung. Auf der anderen Seite machten im Planspiel die Vertreter der Physiotherapie klar, dass die Kassen auch Kosten sparen, wenn Patienten schneller und gezielter behandelt werden. Zudem wird den Patienten auch schneller und direkter geholfen, was insbesondere die Vertreter der Patienten schätzten. Nach einer Umfrage, die zitiert wurde, befürworten drei Viertel der befragten Patienten den Direktzugang.



Der Konsens der Konferenz bestand letztlich darin, dass der Direktzugang zunächst im Privatzahler-Bereich eingerichtet wird.
Die Hochschule für Gesundheit und der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten – IFK e.V. arbeiten schon seit längerem zusammen und stärken somit den wissenschaftlichen Diskurs in der Physiotherapie. In naher Zukunft werden die beiden Institutionen auch örtlich näher zusammenrücken, weil die hsg auch neue Räumlichkeiten am Bochumer Gesundheitscampus beziehen wird. Die Studenten unter Studiengangsleiter Prof. Dr. Christian Grüneberg konnten nun ihr erworbenes Wissen im Planspiel einsetzen, lernten aber auch viel über die konträren Positionen der vielen anderen Beteiligten im Gesundheitswesen.

Mit den Studenten von links: Prof. Dr. Christian Grüneberg, stellv. IFK-Vorstand Rick de Vries, IFK-Geschäftsführer Dr. Frank Dudda, Prof. Dr. Sven Dietrich

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