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2. TherapieGipfel in Berlin – inhaltsstark und zukunftsweisend

Etwa 500 Teilnehmer kamen am 9. September 2019 zum 2. TherapieGipfel nach Berlin. Vor einem vollen Auditorium blickte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf die politischen Erfolge der letzten zwölf Monate zurück und gab einen Ausblick auf seine weiteren Schwerpunkte für die Therapieberufe für 2020. Der 2. TherapieGipfel war der erste gesundheitspolitische Termin des Ministers in der Hauptstadt nach der Sommerpause des Deutschen Bundestags.



Minister offen für weitere Ziele


Bereits in ihrem Eingangsstatement erläuterte Ute Repschläger, Vorsitzende des Spitzenverbands der Heilmittelverbände (SHV), Gastgeber des 2. TherapieGipfels, die Zwischenergebnisse wie den dauerhaften Wegfall der Bindung an die Grundlohnsumme bei Vergütungsverhandlungen oder die bundesweite Anhebung der Preise sowie die Neuausrichtung der Vergütungsverhandlungen ab Herbst 2019. Dafür dankte die SHV-Vorsitzende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ausdrücklich. Allerdings seien weitere Anpassungen erforderlich, um die therapeutische Patientenversorgung zu sichern und die Situation der Therapeuten zu verbessern. Konkrete Maßnahmen müssen dem massiven Fachkräftemangel entgegenwirken. Der SHV fordert eine direkte Anbindung aller Therapeuten an die Telematikinfrastruktur (TI), die Einführung von Modellvorhaben zum Direktzugang, die Entfristung der Modellstudiengänge und spürbare Schritte zur Entbürokratisierung in den Praxen.

Aber auch Forderungen aus dem Publikum nahm der Minister sehr ernst, so zum Beispiel den Hinweis auf den bürokratischen Aufwand für den Einzug der Zuzahlung sowie die fehlende Möglichkeit von Zwischenabrechnungen im Bereich der Podologie.

Der Bundesgesundheitsminister verwies ausdrücklich auf die noch anstehenden Umsetzungen der Blankoverordnung. Diese neue Versorgungsform gilt es nun bis zum 15. November 2020 mit Leben zu füllen und deren Nutzen für die Patienten in den Mittelpunkt zu stellen. Auch bei der Entbürokratisierung habe er Wort gehalten und mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz bürokratische Erleichterungen bei Zulassungsfragen geschaffen.

Offen, aber noch nicht entscheidungsbereit ist Minister Spahn bei der Überarbeitung der Berufsbildungsgesetze noch in der laufenden Legislaturperiode. „Bis Ende 2019 erarbeitet eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe konkrete Eckpunkte, die dann in einen Gesetzesentwurf einfließen werden“, so der Minister.

Der Handlungs- und Modernisierungsbedarf der Ausbildungen liegt auf der Hand. Allerdings schätzt Jens Spahn die aus seiner Sicht sehr praxisbezogene Prägung der bestehenden fachschulischen Ausbildung. Hier ist in den nächsten Wochen und Monaten noch Überzeugungsarbeit zu leisten. Denn eins steht für die SHV-Vertreter fest: Die Novellierung der Berufsbildungsgesetze muss die Therapieberufe im Sinne der Patienten zukunftsfähig und attraktiver machen. Bei immer komplexer werdenden Krankheitsbildern müssen Therapeuten stärker als bislang in den Behandlungsprozess als Mitbehandler agieren. Dafür und für eine wissenschaftliche Weiterentwicklung der therapeutischen Berufe ist eine grundständige hochschulische Ausbildung mit weiterhin starkem Praxisbezug die Basis, so die SHV-Vertreter.

Themenvielfalt bei der Podiumsdiskussion

Der Diskussionsrunde mit dem Minister folgte nahtlos eine konstruktive Diskussion zwischen den Podiumsteilnehmern und dem Publikum. Geschickt schlug Moderator Martin von Berswordt-Wallrabe zu den Themen Vergütung, Direktzugang, Akademisierung und Digitalisierung die Brücke. Aber auch spezifische Themen wie beispielsweise die Ausbreitung privater Investoren in der Heilmittelbranche kamen zur Sprache.

Neben den SHV-Vorständen diskutierten Bettina Müller, MdB (SPD), Dr. Roy Kühne, MdB (CDU), Ulrike Elsner (Vorsitzende des Verbands der Ersatzkassen) und Dr. Erik Bodendieck (Vertreter der Bundesärztekammer). Sowohl Bettina Müller als auch ihr CDU-Kollege Dr. Roy Kühne sprachen sich für weitere Maßnahmen zur Sicherung der therapeutischen Patientenversorgung in Deutschland aus. Die SPD-Politikerin sah beispielsweise den Direktzugang als ein gutes Versorgungsmodell gerade für den ländlichen Raum, in dem Fachärzte rar sind. Dr. Roy Kühne sprach sich dafür aus, dass der Beruf des Therapeuten grundsätzlich bessergestellt werden müsste: „Therapeuten verdienen noch mehr Respekt von der Gesellschaft.“

Auch Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen, betonte die Bedeutung der Therapeuten als Berufsgruppe. Es sei international nicht selbstverständlich, dass die Heilmittelversorgung Teil der Gesetzlichen Krankenversicherung ist. Außerdem erkannte sie die Arbeit der Berufsverbände an. „Die Heilmittelerbringer haben in den vergangenen fünf Jahren wahnsinnige Erfolge erzielt“, betonte Elsner. Drei Gesetze in vier Jahren seien Ausdruck davon.

Dr. Erik Bodendieck, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer, hob das spezifische Wissen und die Bedeutung der therapeutischen Arbeit hervor. Beim Thema Digitalisierung sah er den größten Nutzen für den Patienten, wenn alle Akteure im Gesundheitswesen eingebunden werden. Beim Thema Direktzugang hat der Vertreter der Ärzteschaft nicht überrascht, so standen die Argumente der Haftung und der Budgetverantwortung hier an erster Stelle bei ihm. „Wenn das Ihr einziges Problem ist, ist ja alles gut“, entgegnete Repschläger. „Denn das ist ja dann ‚unser‘ Problem.“

In gut eineinhalb Stunden Podiumsdiskussion sind viele Themen zur Sprache gekommen. Hier gilt es bei der politischen Arbeit und den Gesprächen mit den Entscheidern im Gesundheitswesen weiter anzuknüpfen.

Direkter Austausch in vier Fachrunden

Neu bei diesem 2. TherapieGipfel waren vier Fachrunden, die sich direkt an die Podiumsdiskussion anschlossen. In den Sessions erhielten die Teilnehmer Hintergrundinformationen zu den Themen Vergütung, Novellierung der Berufsgesetze, Direktzugang/Blankoverordnung und Digitalisierung. In den Frage- und Diskussionsrunden konnten die Besucher dann ihre persönlichen Erfahrungen und Vorschläge einbringen. Über die Ergebnisse der einzelnen Themenrunden wird der SHV gesondert berichten.

Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel


Der 2. TherapieGipfel hat wieder ein gesundheitspolitisches Zeichen gesetzt. Eine solche Großveranstaltung mit vielen Teilnehmern und Entscheidern auf dem Podium zeigt, dass die Themen auf der politischen Bühne präsent sind.

„Wir werden als berufspolitische Vertretung der Therapeuten weiter intensive Überzeugungsarbeit leisten, unsere gesetzlichen Möglichkeiten bestmöglich nutzen und an Lösungen für offene Fragen zur Sicherung der therapeutischen Patientenversorgung arbeiten“, erklärte Ute Repschläger am Ende des 2. TherapieGipfels.

Und auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gab etwas von seinem Hausaufgabenzettel preis: Bis zum 3. TherapieGipfel soll die zweite und dritte Lesung des neuen Berufsbildungsgesetzes abgeschlossen sein. „Dann kann ich auch noch mein Versprechen wahrmachen, die Berufsbildungsgesetze zu überarbeiten.“


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